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Den größten Anteil an der Forschungsarbeit in Deutschland zum Thema dürften die Untertageverlagerungen von Industriebetrieben und ihre Geschichte einnehmen. Das liegt ganz einfach an ihrer großen Anzahl – wenn auch der Norden Deutschlands etwas bei der regionalen Verteilung zu kurz kommt. Worum geht es? Zunehmende Bombenangriffe und die abnehmende Lufthoheit über dem eigenen Territorium führten in Deutschland spätestens ab Sommer 1943 zu immensen Produktionsausfällen. Gleichzeitig stieg, bedingt durch den Kriegsverlauf, der Bedarf an Treibstoffen und anderen kriegsnotwendigen Materialien. Deshalb wurden als besonders kriegswichtig geltende Produktionsstätten in bombensichere, natürliche oder künstliche unterirdische Hohlräume verlagert. Dazu wurden neben neu errichteten unterirdischen Anlagen natürlich auch bereits bestehende Hohlräume wie Bergwerke, Höhlen oder Straßen- und Eisenbahntunnel benutzt. A. Speer weiß von weiteren obskuren Planungen zu berichten. So sollte ein See trockengelegt, die Anlagen eingebaut und der See dann wieder geflutet werden. Natürlich wurden solche hochtrabenden Pläne unter dem entstandenen Kriegsdruck und dem damit verbundenen Mangel an Rohstoffen, Maschinen und Arbeitskräften nicht mehr verwirklicht, während eine Vielzahl der „normalen“ Untertageverlagerungen bei Kriegsende schon arbeitete. Planung und Bauleitung der Anlagen oblagen bei der überwiegenden Zahl der entsprechenden Bauten zur Untertageverlagerung von Industriebetrieben unterschiedlichen Behörden und Stäben des Reiches. Die Verantwortlichkeit wechselte im Verlaufe der Zeit, auch als Auswirkung der Ergebnisse diverser Machtkämpfe und damit verbundener Machtverschiebungen beispielsweise zwischen SS und Rüstungsministerium. Untersuchungen an Hand von Aktenmaterial lassen den Schluß zu, dass zumindest auf dem Papier erst nach Fertigstellung der Anlage endgültig entscheiden wurde, welcher Betrieb in die Anlage verlagert werden sollte. Bei der Planung von Zuteilungen scheint dies ausweislich der im „Wichert“ veröffentlichten Unterlagen auch zuzutreffen. Es widerspricht jedoch zumindest teilweise den von Dorsch u.a. veröffentlichten Grundsätzen für die Planung solcher Anlagen. Die Anlagen wurden häufig unter dem Einsatz von Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern und Häftlingen aus den verschiedenen Konzentrationslagern unter enormen Zeitdruck gebaut. Viele haben das nicht überlebt, wie eindrucksvoll und mahnend aus vorhandenen Unterlagen und Zeitzeugenberichten hervorgeht. Nicht alle geschützten Anlagen der Industrie wurden jedoch erst 1943 - 45 errichtet. Einige Anlagen wurden auf diese Weise schon ab ca. 1935 gebaut. Beispiel hierfür sind u.a. die Werke am Dührerhof bei Eisenach. Hier wurden Flugzeugmotoren gefertigt. Über die Ursachen und Beweggründe für diese zeitigen Verlagerungen gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Und einen erheblichen Forschungsbedarf. Auf dem Gebiet der U- Verlagerungen der Industrie im Zweiten Weltkrieg wartet auch sonst in der heutigen Zeit noch viel Forschungsarbeit. Es gibt nur eine unvollständige Zusammenfassung in den Akten: Das „Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten, Ubootbunker, Ölanlagen, chemischer Anlagen und WIFO-Anlagen des Zweiten Weltkrieges“ von Hans Walter Wichert. In dieser Aufstellung klaffen noch viele Lücken, einige fehlerhafte Interpretationen wurden in den letzten Jahren revidiert. Im Wiki (dazu später mehr) wurde der Versuch begonnen, alle diese Anlagen mit einem sehr großen Bestand an Grunddaten zu beschreiben. Wer das einmal an einem Objekt versucht, daß er sehr gut kennt, wird feststellen, wie schwer ihm das fällt und welche Lücken dabei klaffen. Viel Arbeit also, auch für engagierte Hobbyisten. |
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